Das CGI-MP - Was ist es und kann es wirklichetwas leisten?
Da die Umstellung auf Swift MT-MX nun im Gange ist, beginnen in der Branche die Diskussionen, sich auf den Unternehmensbereich zu verlagern. Dabei bestehen logische Fragen zur möglichen Umstellung auf die Zahlungsnachricht der XML Version 9.
In diesem dritten Artikel der ISO 20022-Serie werfen die Zanders-Experten Eliane Eysackers und Mark Sutton einen genauen Blick auf die Common Global Implementation Market Practice Group (CGI-MP). Sie erläutern ihre Rolle, ihre Ziele und wie sie das Potenzial hat, die Möglichkeiten des Multi-Banking-Cash-Management-Modells auf die nächste Stufe zu heben. Das Ziel ist eine vereinfachte, standardisierte, kostengünstige und wartungsarme Multi-Bank-Cash-Management-Architektur.
Wer oder was ist die CGI-MP?
Die CGI-MP wurde im Oktober 2009 gegründet. Dabei war Swift Ausrichter des ersten Treffens einer Gruppe wichtiger Interessengruppen die die Wettbewerbsgrenzen im Bereich des bankübergreifenden Cash Managements neu definieren sollte - Banken, Softwareanbieter, Unternehmen, nationale Zahlungsverkehrsverbände. Aus diesen bescheidenen Anfängen heraus hat die CGI-MP heute 355 Mitglieder weltweit und hat ihr Fachwissen genutzt, um Implementierungsrichtlinien für die XML- Unternehmenszahlungsnachricht (pain.001.001.09) zu erstellen und zu veröffentlichen, einschließlich eines aktualisierten Leitfadens für den Zahlungsstatus. Das Ziel der CGI-MP war immer klar: „Ein Unternehmen soll dieselbe Nachrichtenstruktur für alle seine Zahlungen mit allen Transaktionsbanken verwenden und jedes Zahlungssystem auf der ganzen Welt erreichen können“.
Welche Herausforderungen gab es bei den ursprünglichen CGI-MP Implementierungsrichtlinien?
Während die Veröffentlichung der ISO-Normen im April 2009 die ideale Gelegenheit bot, die Vorteile dieser anfänglichen Zusammenarbeit durch die ersten Implementierungsrichtlinien zu demonstrieren, haben die vergangenen 14 Jahre zahlreiche Reibungspunkte bei der Übernahme der XML-Zahlungsnachricht Version 3 durch Unternehmen aufgezeigt. So haben wir trotz der Leitlinien erhebliche Unterschiede bei der Umsetzung dieses globalen Standards für Finanznachrichten durch die Bankengemeinschaft festgestellt. Die wichtigsten Herausforderungen lauten zusammengefasst:
- Inkonsistente Identifizierung der Zahlungsmethode: Während in den CGI-MP-Implementierungsrichtlinien die Verwendung von Standardcodes empfohlen wird, zeigt die Vergangenheit, dass diese Codes nicht standardmäßig benutzt werden und dass weiterhin bankeigene Codes zum Einsatz kommen.
- Begrenzte Übernahme von Datenüberpopulationen: Dieses war ein Kernprinzip der CGI-MP-Implementierungsrichtlinien. Es ermöglichte es den Unternehmen, ein allgemeineres Kern-Template zu erstellen. Allerdings haben sich nur wenige Banken dieses Grundprinzip zu eigen gemacht.
- Anhaltender Fokus auf unstrukturierte Tags: Trotz des Leitfadens haben die Banken gemeinhin die unstrukturierten Tags genutzt, um lokale Ländervorschriften wie die Berichterstattung der Zentralbank umzusetzen.
- Kernreferenzen: Unternehmensimplementierungen haben erhebliche Unterschiede in der Art und Weise offenbart, wie die wichtigsten Stapel- und Transaktionsreferenzen sowie die Zahlungsdetails unterstützt und verarbeitet werden
Was ist anders an diesen neuen CGI-MP-Implementierungs-Guidelines?
Die CGI-MP hat die Lehren aus dem Implementieren von Version 3 gezogen und versucht, die durch die bankeigenen Implementierungen verursachten Reibungen zu beseitigen. Ein zentrales Dokument innerhalb der Implementierungsrichtlinien ist Anhang B. Dieses unterstützende Dokument, konzentriert sich auf die zusätzlichen länderspezifischen Regeln. Zum Beispiel, welche xml-Tags für Zentralbankmeldungen in einem bestimmten Land verwendet werden. Dies ist wichtig, da es die Möglichkeit bietet, ein größeres Maß an Standardisierung bei der Interpretation und somit beim Implementieren der XML-Zahlungsnachricht zu erreichen.
Der wichtigste Unterschied ist der „change of mindset”, der auf Seite der Banken nötig wird, um eine Win-Win-Situation zu schaffen. Die CGI-MP empfiehlt daher einen eher präskriptiven Ansatz für die XML-Richtlinien der Version 9, der dazu beitragen wird, die zahlreichen Reibungspunkte zu beseitigen, die oben genannt worden sind. Banken, die der selben Logik folgen, die sie bei der Entwicklung von pain.001 V03 angewandt haben, die in der Regel der Kernlogik ihrer eigenen proprietären Dateiformate folgt, werden eine echte Chance verpassen, Reibungsverluste zu beseitigen und Implementierungen zu beschleunigen.
Überlegungen zum Corporate Treasury?
Die CGI-MP hat nun die Guidelines für die Implementierung von XML Version 9 veröffentlicht, die die CGI-MP-Mitglieder nun im Rahmen ihres eigenen Angebots für XML Version 9 prüfen. Ausgehend von den Erfahrungen mit der Entwicklung und Umsetzung der ursprünglichen XML
Version 3 im Jahr 2009, sind die Banken wahrscheinlich noch 6-9 Monate von der Einführung entfernt. Zwar besteht für Unternehmen keine Verpflichtung zur Migration, XML-Version 9 bietet jedoch eine Vielzahl an Chancen hinsichtlich:
- Beseitigen von Friktion zwischen den Banken.
- Vereinfachen und Standardisieren der Implementierung von XML Version 3.
- Maximierung der End-to-End-Vorteile von strukturierten Daten.
- Größere Portabilität der Banken.
Fazit
In Anbetracht der potenziell bedeutenden Auswirkungen des „Mentalitätswandels” im Bankensektor könnte die Anpassung an die CGI-MP-Leitlinien und insbesondere an Anhang B aus Unternehmenssicht zu einem hochrelevanten Thema werden. Es wird für die Unternehmen von großer Bedeutung sein, eine in höchstem Maße fokussierte und strukturierte Diskussion mit ihre Bankpartnern zu führen, um festzustellen, ob die wahrgenommenen Vorteile tatsächlich eintreten können. Da es sich hierbei um ein unerprobtes Terrain handelt, bleibt die Empfehlung, die Harmonisierungsgespräche mit den Bankpartnern fortzusetzen, um ein optimales Umsetzungsergebnis zu gewährleisten.